Gedanken und Gefühle – wie man sich seiner letzten Stunde nähern kann

So wie der Stabhochsprung im Zehnkampf der schwierigste Bewerb ist, so ist der Umgang mit seiner letzten Stunde im Leben die Königsdisziplin. Beides erfordert ständige Übung, um die Meisterschaft zu erreichen. Die Auseinandersetzung mit seiner letzten Stunde bringt Gedanken, die oft zu unangenehm sind, um sie überhaupt zulassen zu können. Viele von uns haben nie die Sprache gelernt, um die damit verbundenen Gefühle in Worte zu fassen. Genau diese Gedanken und Gefühle von einem unbekannten Wesen zu einem guten Freund zu machen, ist eine Aufgabe dieses Buches.

Gedichte können helfen, die Sprachlosigkeit in uns selbst zu überwinden und Gefühle in Bilder zu fassen, die wir sonst gar nicht auszudrücken vermögen. Wenn man es selbst spricht, kann ein Gedicht die Grenzen zwischen dem Wort und der Musik überschreiten. Das kurze Gedicht von Erich Kästner, der seine „zwei Gebote“ zum Thema „Memento mori“ formuliert, kann ein schöner Einstieg sein:

Liebe das Leben, und denk an den Tod!
Tritt, wenn die Stunde da ist, stolz beiseite.
Einmal leben zu müssen,
heißt unser erstes Gebot.
Nur einmal leben zu dürfen,
lautet das zweite.

Die letzte Stunde ist kein geheimer Schlüssel, mit dem man den schon gefahrenen Kilometerstand heimlich zurückdrehen kann, aber das beste Navigationsinstrument, das uns hilft, die Ziele, die wir in unserer Zukunft ansteuern, ohne zu große Umwege zu erreichen. Oft treten wir dann besonders fest auf das Gaspedal, wenn wir unser Ziel völlig aus den Augen verloren haben. Gerade wenn wir uns hoffnungslos verirrt haben, kann uns der Gedanke an unsere letzte Stunde helfen, wieder zurück zum rechten Weg zu finden. Sie mahnt uns auch, überhaupt einmal ein Ziel in das Navigationssystem unseres Lebens einzugeben und nicht völlig planlos umherzukurven. Sie zeigt auch zuverlässig an, wenn unser Verbrauch an Lebensenergie zu hoch ist oder wenn wir zu lange im Stillstand verharrt sind. Sie hilft uns dabei, herauszufinden, warum wir eigentlich da sind. Daher sollten wir uns den Besuch der letzten Stunde manchmal erlauben.

Der Gedanke an die letzte Stunde schließt das Leben nicht ab, er macht das Leben auf. – Mache Dir die letzte Stunde zum Freund.

6 Antworten zu “Gedanken und Gefühle – wie man sich seiner letzten Stunde nähern kann”

  1. Birgit Thiel sagt:

    Diese Buch war ein Geschenk und bleibt ein Geschenk, auch wenn ich es mir selber gekauft hätte! Von der letzten Seite 😉 zum Anfang und durch bis zum Ende. Ungeheuer berührend, interessant, mich rundherum mit Glücksgefühlen überschwemmend.
    Weil es mich ständig an unser Potenzial der tiefster Seele erinnert, auch an das was ihr im Wege steht, an das, was in unserem Alltag wesentlich sein kann, naja, und nur das macht mich wirklich glücklich. Viel Freude bei der Spurensuche zu diesen Themen in DER LETZTEN STUNDE!

  2. manu sagt:

    dieses buch hat mein herz berührt! ich habe es zeit meines lebens gesucht! und endlich gefunden! die botschaft für mich lautet, wie ich es mir vorgestellt habe: arbeite und liebe! liebe bis zur unendlichkeit! verzeihe! gib dein bestes für den nächsten…. und verzeihe deinem nächsten seine schwächen… such sein herz wie bei antoinne de saint exupery: man sieht nur mit dem herzen gut, das wesentliche bleibt dem auge verborgen….
    lieber andreas! dein buch ist angekommen!
    Liebe Grüße MANU

  3. Weber Christine sagt:

    Als Koordinatorin der Hospizbewegung Zwettl hat mich natürlich dieses Buch
    sehr angesprochen und berührt. Das Tabuthema Sterben und Tod ist ja doch , wenn darüber gesprochen und geschrieben wird, eine gewisse Befreiung seiner Urängste.
    Wir sind ein Verein mit 23 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und bieten eine kostenlose Begleitung für schwerkranke Menschen und ihren Angehörigen an.
    Die Zusammenarbeit mit Krankenanstalten, Pflegeheimen, Hausärzten, mobilen Diensten, … funktioniert immer besser und es rückt immer mehr ein“ Leben in Würde bis zuletzt“ ins Bewußtsein. Haben bei unseren monatlichen Teambesprechungen auch viel Spaß und freuen uns auf das Miteinanderzusammenarbeiten. Jetzt freuen wir uns Waldviertler schon auf den Frühling und die wärmende Sonne.
    Alles Liebe und Gute
    Christine Weber

  4. Sandra Tarnoczi sagt:

    Lieber Herr Salcher,

    wie soll ich beginnen, ich habe Ihr Buch „Der talentierte Schüler und seine Feinde“gelesen. Warum? Weil ich selbst ein Kind habe, dem es in der Schule nicht gut ging, nicht weil er schlechte Noten hat, nein, weil ein Lehrer der nur das System und nicht unsere Kinder im Kopf hat unterrichtet.
    Sie sprechen mir so vom Herzen und von der Seele und treffen immer den nagel auf den Kopf.
    Es tut gut zu wissen, das jemand immer wieder aufzeigt bei Ungerechtigkeiten unsern Kindern gegenüber und für sie kämpft.

    Ich stellte durch Zufall fest, dass wir einen gemeinsamen Freund hatten, leider, hatten nämlich Peter Leopold. Nun werde ich auch das Buch „meine letzten Gedanken“ lesen, habe mich zwar bisher gewehrt, weil wir will schon damit in Berührung kommen, aber ob wir wollen oder nicht, bleibt uns dies nicht erspart und warum dann nicht vorbereitet.

    Vielen Dank
    Liebe Grüße

  5. Scot Telch sagt:

    Ich weiß selbst, wie viel Arbeit das Schreiben von Blogs kostet. Daher: Mein Respekt. Vielen Dank für die Infos!!

  6. Tanja Steiner sagt:

    Sehr geehrter Hr. Dr. Salcher!

    Zuerst einmal vielen Dank für Ihre tollen Bücher die Sie schreiben.
    Vor allem Ihr Buch „Meine letzte Stunde“ hat mich sehr beeindruckt.
    Ich bin 21 Jahre alt und ich finde es ist nie zu früh und auch nie zu spät um über seinen Tod aber vor allem über sein eigenes Leben nachzudenken und den Sinn des Lebens zu suchen. Ich habe eine Ausbildung zur Krankenschwester gemacht und habe viele Menschen bei ihren Krankheiten, Leiden, Diagnosen, Schmerzen und Schicksalen begleitet, all diese Erfahrungen mit Menschen möchte ich nicht missen, jede positive und auch negative Erfahrung hat mich zu dem Menschen gemacht der ich heute bin. Sterben und Tod macht mir keine Angst, den jedes Ende ist ein neuer Anfang. Wichtig sind die Erinnerungen an einen Menschen die uns bleiben, egal ob es Geschichten, Fotos oder persönliche Gegenstände sind, alles was im Leben zählt ist „Mensch zu sein“. Täglich sterben wir viele Tode, jede Zelle erneuert sich, wir müssen Entscheidungen im Leben treffen, Trennungen durchleben und vieles mehr. Aber all das ist unser Leben, das vom Schicksal aber vor allem von UNS geleitet wird.
    Wir haben Träume, Ziele, Werte, Gefühle und Gedanken, für die es sich täglich lohnt zu kämpfen. Im Leben passieren oft Dinge die man sich nicht erklären kann, trotzdem gehört der Tod zum Leben und das Leben zum Tod.

    Ich danke Ihnen für die Inspiration durch Ihre Bücher und hoffe Sie werden noch einige Bücher schreiben.

    Vielen Dank

    Tanja Steiner

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