Ich habe es nicht gewusst

Liebe Blogger,

einige Fragen von Lesern und Journalisten zu meinem Buch und meine Antworten. Vielleicht haben Sie auch Fragen.

 

Finanzkrise, Klimawandel, Korruption, Armut, Ungerechtigkeit und Unterdrückung: Kann man es den Menschen verdenken, dass sie angesichts des Zustands unserer Welt resignieren?

Man darf die Augen nicht verschließen. Denn was soll man seinen Kindern später sagen, wenn sie wissen wollen, warum wir das alles nicht verhindert haben? Mein Buch will Möglichkeiten aufzeigen, was jeder einzelne zu einer besseren Welt beitragen kann. Jede Veränderung beginnt mit dem ersten Schritt.

 

Was kann ich dafür, dass japanische Firmen baufällige Atomkraftwerke betreiben?

Fukushima ist weit weg, aber Temelin ganz nah. Nur weil Dinge in tausenden Kilometern Entfernung passieren, heißt das noch nicht, dass ich mich nicht in diesem Bereich engagieren kann. Oder nehmen wir Griechenland. Wenn ich Wertpapierfonds mit griechischen Anleihen kaufe, statt vielleicht weniger gewinnversprechende österreichsiche Wertpapiere, muss auch ich mir einen Spiegel vorhalten lassen. Dinge passieren nicht zufällig. Wenn ich mein Haus mit Frankenkredite finanziere, muss ich mir bewusst sein, dass auch ich Teil der Währungsspekulation bin. Nachher zu sagen, ich habe nicht gewusst, dass man damit ganze Volkswirtschaften zerstören kann, ist nicht glaubwürdig.

 

Was kann ich also konkret tun?

Anfangen, sich zu interessieren – und Fragen zu stellen. Wenn einer nachfragt, interessiert das niemand, wenn Tausende das tun, muss die Politik zuhören. Die Macht des einzelnen ist sehr groß. Ein Beispiel aus meinem Buch: Schokolade wird zu 90 Prozent von Kindersklaven hergestellt. Wenn die Menschen darauf aufmerksam werden, ändern sie vielleicht ihr Konsumverhalten und kaufen beim nächsten Mal eine fair produzierte. Und vielleicht wird der Druck eines Tages so groß, dass die von Kindern hergestellte aus den Regalen der Supermärkte verschwindet. So passieren Veränderungen.

 

Und was machen Sie?

Licht ausschalten, wenn ich das Zimmer verlasse, als kleines Ritual, das mich daran erinnert, dass auch kleine Dinge wichtig sind. Und Müll nicht nur entsorgen, sondern auch vermeiden. Mir ist bewusst, dass ich damit nicht den Klimawandel aufhalten kann, aber ich kann dazu beitragen. Und als Autor nehme ich meine Verantwortung der Welt gegenüber wahr, indem ich mit meinem Buch genau jetzt schreibe, wo wir noch etwas tun können. Ich will mir nicht vorwerfen lassen, nicht gewusst zu haben, wie es um unsere Welt steht.

 

Was fehlt den Menschen zum Handeln?

Mut. Meiner Meinung nach entstehen die meisten Probleme aus Angst. Viele Leute machen sich zum Beispiel dauern Sorgen um ihr Erspartes und ihren Profit, dabei sind die sozialen Kontakte viel wichtiger. Angenommen, das Geld ist weg, was bleibt da übrig? Freunde helfen mir in schlechten Zeiten, Börsenkurse nicht.

Können Sie uns eine Anleitung zur Weltverbesserung geben?

Die gibt es nicht, ich kann nur sagen, was mir geholfen hat. Erstens: Akzeptieren, dass es Dinge gibt, die du nicht ändern kannst. Man muss sich nicht für die ganze Welt verantwortlich fühlen. Zweitens: sich ein, zwei Projekte suchen, in denen man sich engagieren will, die einem wichtig sind. Und drittens: Zeitweise Zweifel zulassen, aber nicht daran zerbrechen. Und noch etwas ist mir wichtig: Bevor ich etwas kaufe, anschaffe oder plane, frage ich mich: Will ich das wirklich? Lautet die Antwort ja, ist es OK, wenn nicht, lass ich es. Das sollten viel mehr Menschen machen.

Liebe Grüße,

Andreas Salcher

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