Liebe Blogger,

30. Oktober 2010 5 Kommentare

heute ist Samstag, der 30. Oktober. Es ist jetzt genau sechs Wochen her, dass MEINE LETZTE STUNDE erschienen ist. Wann immer ich die vielen Reaktionen, die ich per Mail erhalten habe lese und beantworte, durchlebe ich ein Gefühlspektrum von „es läuft mir kalt den Rücken hinunter“, über „das ist so ungemein berührend“ bis zu „unglaublich welche Geschichten, das Leben schreibt.“ Was mich am meisten überrascht ist, dass ich mit Ausnahme einer „Totalvernichtung“ von einem deutschen Amazon-Rezensenten keine einzige negative Reaktion erhalten habe.

Was mir auffällt ist,

  • wie feinfühlig und sensibel mir die Leser über ihr eigenes Leben schreiben, ganz im Gegensatz zum angeblich so oberflächlichen Zeitgeist.
  • dass mich viele Leser mit „Lieber Herr Salcher“ statt mit „Sehr geehrter“ ansprechen, sich dafür entschuldigen, dass sie sich so nahe fühlen obwohl sie mich nicht kennen.
  • dass „Carpe diem“ in seinen unterschiedlichsten Interpretationen oft vorkommt.
  • dass viele Menschen auch nach der ausführlichen Schilderung ihrer individuellen Leidensgeschichte sehr versöhnlich auf sich selbst und ihr Leben blicken können.
  • dass, das Buch auch von jungen Lesern angenommen wird.

Zum Abschluss für heute eine Geschichte die zeigt, dass das Buch manchmal auch für Heiterkeit sorgen kann. Mein Freund M. musste sich einer Kehlkopfoperation unterziehen. Im Spital las er bis unmittelbar vor der Operation MEINE LETZTE STUNDE. Als er nach der Gott sei Dank erfolgreichen Operation wieder aus der Narkose erwachte, sah der Chirurg das Buch auf seinem Nachttisch neben dem Bett liegen und sagte: „Sie sind aber kein Optimist.“

Wie geht es mir selbst mit meinem Buch? Ich bin unglaublich dankbar, dass es schon soviele Menschen gelesen haben uns sich auch noch die Mühe gemacht haben mir zu schreiben.

Andreas Salcher

Gedanken und Gefühle – wie man sich seiner letzten Stunde nähern kann

27. September 2010 6 Kommentare

So wie der Stabhochsprung im Zehnkampf der schwierigste Bewerb ist, so ist der Umgang mit seiner letzten Stunde im Leben die Königsdisziplin. Beides erfordert ständige Übung, um die Meisterschaft zu erreichen. Die Auseinandersetzung mit seiner letzten Stunde bringt Gedanken, die oft zu unangenehm sind, um sie überhaupt zulassen zu können. Viele von uns haben nie die Sprache gelernt, um die damit verbundenen Gefühle in Worte zu fassen. Genau diese Gedanken und Gefühle von einem unbekannten Wesen zu einem guten Freund zu machen, ist eine Aufgabe dieses Buches.

Gedichte können helfen, die Sprachlosigkeit in uns selbst zu überwinden und Gefühle in Bilder zu fassen, die wir sonst gar nicht auszudrücken vermögen. Wenn man es selbst spricht, kann ein Gedicht die Grenzen zwischen dem Wort und der Musik überschreiten. Das kurze Gedicht von Erich Kästner, der seine „zwei Gebote“ zum Thema „Memento mori“ formuliert, kann ein schöner Einstieg sein:

Liebe das Leben, und denk an den Tod!
Tritt, wenn die Stunde da ist, stolz beiseite.
Einmal leben zu müssen,
heißt unser erstes Gebot.
Nur einmal leben zu dürfen,
lautet das zweite.

Die letzte Stunde ist kein geheimer Schlüssel, mit dem man den schon gefahrenen Kilometerstand heimlich zurückdrehen kann, aber das beste Navigationsinstrument, das uns hilft, die Ziele, die wir in unserer Zukunft ansteuern, ohne zu große Umwege zu erreichen. Oft treten wir dann besonders fest auf das Gaspedal, wenn wir unser Ziel völlig aus den Augen verloren haben. Gerade wenn wir uns hoffnungslos verirrt haben, kann uns der Gedanke an unsere letzte Stunde helfen, wieder zurück zum rechten Weg zu finden. Sie mahnt uns auch, überhaupt einmal ein Ziel in das Navigationssystem unseres Lebens einzugeben und nicht völlig planlos umherzukurven. Sie zeigt auch zuverlässig an, wenn unser Verbrauch an Lebensenergie zu hoch ist oder wenn wir zu lange im Stillstand verharrt sind. Sie hilft uns dabei, herauszufinden, warum wir eigentlich da sind. Daher sollten wir uns den Besuch der letzten Stunde manchmal erlauben.

Der Gedanke an die letzte Stunde schließt das Leben nicht ab, er macht das Leben auf. – Mache Dir die letzte Stunde zum Freund.