Ummögliches zum Schulbeginn

7. September 2015 1 Kommentar

Kein Bildungssystem ist besser als die Summe seiner Lehrer. Wie wäre es mit einem Tabubruch: Die Leistungen der Lehrer werden bewertet, wie es auch bei Managern üblich ist.

Vor einigen Jahren schaltete eine Gruppe von Unternehmern in den USA ganzseitige Inserate mit folgendem Text: „Wählen Sie Amerikas schlechtesten Lehrer. Wir zahlen ihm sofort seine Pension, damit er nie wieder unterrichtet.“

Populistisch, menschenfeindlich, entwürdigend, mögen viele jetzt denken. Egal zu welchem Schluss Sie kommen, es gibt ein Land auf der Welt, das viel schlimmer mit seinen Lehrern umgeht. Es schickt sie alle vorzeitig in Pension, die Unfähigsten genauso wie die Besten. Nicht mit Privatgeld, sondern mit Steuergeld.

Wie der Rechnungshof aufgedeckt hat, gingen 95 Prozent aller österreichischen Landeslehrer von 2008 bis 2013 entweder mit der Hacklerregelung oder wegen Berufsunfähigkeit in die Frühpension. Ganze fünf Prozent erreichten das gesetzliche Pensionsalter von 65. Den einzelnen Lehrern ist kein Vorwurf zu machen. Ihnen allen wurde das gleiche Angebot gemacht: mit vollen Bezügen vorzeitig in Pension gehen oder noch sechs Jahre arbeiten, um dann wahrscheinlich weniger Pension zu erhalten. Es gab fünf Prozent „Heilige“, die Variante zwei gewählt haben.

FRÜHPENSIONIERUNGSIRRSINN

Zwei Milliarden Euro an Mehrkosten hat dieser Frühpensionierungsirrsinn gekostet. Zum Vergleich: Die dringend notwendigen Mittel für Sprachförderung im Kindergarten werden bis 2018 von 30 auf 90 Millionen Euro erhöht. Ich möchte aber auf einen anderen bisher völlig vernachlässigten Aspekt hinweisen. Unter den 95 Prozent Lehrern, die von diesem irrwitzigen System in die Frühpension geschickt wurden, waren die Besten und die Schlechtesten ihres Berufsstandes. Keine sehr intelligente Personalpolitik.

 Das derzeitige System ist Schülerbashing.

Daher ein Vorschlag für die Zukunft: Zunächst bewerten wir regelmäßig alle Lehrer, wie das mittlerweile in fast allen Berufen von der Supermarktkassiererin und Verkäuferin bis zur Universitätsprofessorin und Managerin üblich ist. Dann machen wir den Besten ein Angebot, sobald sie sich dem 60iger nähern: Wir wollen unbedingt, dass du so lange wie möglich Lehrer bleibst, daher zahlen wir dir für jedes zusätzliche Jahr einen Bonus und erhöhen deine Pension. Den schlechtesten fünf Prozent machen wir ein anderes Angebot: Entweder deine Leistungen steigern sich signifikant, oder wir kündigen dich.

Es gibt eine einfache Wahrheit. Kein Bildungssystem kann besser sein als die Summe seiner Lehrer. Dem folgt, dass wir alle ein großes Interesse daran haben müsste, die besten Lehrer mit Gold aufzuwiegen, die durchschnittlichen zu guten zu machen und sich von den schlechtesten fünf Prozent zu trennen. Das derzeitige System ist Schülerbashing.

Die Ökonomen Raj Chetty and John Friedman von der Harvard Universität und Jonah Rockoff von der Columbia Universität haben die Kosten schlechter Lehrer für Schüler errechnet. Würde man nur die fünf Prozent schlechtesten Lehrer kündigen und deren bisherigen Schüler durchschnittlichen Lehrern zuteilen, dann würde sich das Lebenseinkommen dieser Schüler zwischen 130.000 und 190.000 Dollar erhöhen.

 Kinder haben ein Recht auf exzellente Lehrer.

Eine Studie im US-Bundesstaat Tennessee untersuchte, wie sich die Leistungen von zwei durchschnittlichen achtjährigen Schülern innerhalb von drei Jahren entwickelt haben. Einer bekam einen besonders guten, der andere einen besonders schlechten Lehrer. Die Leistungen des Schülers mit dem exzellenten Lehrer waren nach drei Jahren um 50 Prozent besser als die des mit dem schlechten Lehrer.

GUTE UND SCHLECHTE LEHRER

Es geht um die Lehrer. Nicht ob sie Bundes- oder Landeslehrer sind, sondern ob sie gut oder schlecht sind. Das auf faire Art herauszufinden, könnte in diesem Herbst aktuell werden, so die Bundesregierung den Mut hat, das zu beschließen, was die von ihnen nominierten Experten vorgeschlagen haben: Direktoren wählen ihre Lehrer selbst aus und sind für deren Fortbildung verantwortlich. Sie werden nur noch auf fünf Jahre bestellt und an der Erfüllung der Leistungsvereinbarung ihrer Schule durch regelmäßige Schul-Audits bewertet. Das wäre ein Tabubruch.

Am 17. November, dem von der Regierung genannten Präsentationstermin für die große Schulreform, wird sich zeigen, was von den ambitionierten Plänen tatsächlich beschlossen wird. Der Umsetzungszeitraum wurde vorsichtig mit zehn Jahren festgelegt. Solange werden Eltern sich nicht länger einreden lassen, dass ihr Kind untalentiert und unwillig ist. Ihre Kinder haben ein Recht auf exzellente Lehrer. Und exzellente Lehrer haben ein Recht darauf, nicht als „Hackler“ abgestempelt zu werden.

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