Drei Fragen und drei Antworten zum Thema Schule:

27. Mai 2014 1 Kommentar

1. Warum tut sich Österreich so schwer mit Projekten wie den Bildungsstandards oder der Zentralmatura?

Antwort: Wissenschaftlich unabhängige Bildungsevaluierung ist Österreichs Schulpolitik traditionell wesensfremd. Daher wurde das von Frau BM Schmied geschaffene BIFIE  von Anfang in ein rot/schwarzes Korsett gezwungen. Als die ersten Bildungsstandards dann das politisch unerwünschte Ergebnis lieferten,  dass das Prestigeprojekt Neue Mittelschule schlechter als die Hauptschule abschneidet, wurde der Direktor des Instituts ausgetauscht, statt die Ursachen zu erforschen. Es darf daher nicht verwundern, dass ein Institut mit ca. 200 Mitarbeitern es trotz sechsjähriger Vorbereitungszeit nicht schafft, relativ einfache Projekte pannenfrei zu realisieren. BM Heinisch-Hosek hat jetzt erstmals Mut gezeigt, und ihre falsche Entscheidung bei PISA auszusteigen, was verheerende Folgen gehabt hätte, revidiert. Das wäre eine gute Gelegenheit gewesen die Durchführung aller internationalen Vergleichen wie PISA, TIMMS sowie die Zentralmatura  von Universitätsinstituten durchführen zu lassen.  In der derzeitigen Verfassung kann man das BIFIE nur ersatzlos auflösen und das damit gewonnene Geld in unabhängige Bildungsevaluierung investieren.

2. Gibt es Beispiele von öffentlichen und privaten Schulen in Österreich, die ihren Schülern  Lernfreude und Leistung vermitteln können?

Antwort: Als Mitbegründer der „Sir Karl Popperschule“ freue ich mich natürlich, dass dort viele Elemente wie z. B. selbstbestimmtes Lernen in Labs, individuelle Lernziele  und Coaches für jeden Schüler, hochqualitative Lehrerfortbildung, Kooperationen mit Universitäten mittlerweile Standard sind. Die Popperschule ist eine öffentliche Schule und alle beschriebenen Elemente könnten auch an jeder anderen Schule umgesetzt werden. Natürlich spielen die internationalen Privatschulen wie die American International School und die Vienna International School in einer eigenen Liga was innere Schulentwicklung,  Lehrerauswahl, moderne Pädagogik und technische Ausstattung betrifft. Hier auch einige Beispiele österreichischer Schulen über die ich Gutes höre:  die VS Alterlaa oder die VS St. Raphael in Maria Enzersdort, das Gymnasium in der Wasagasse oder das BG Zehnergasse in Wiener Neustadt. Was alle exzellenten Schulen in Österreich gemeinsam haben, ist eine wertschätzende und leistungsorientierte Organisationskultur. Daher gehen dort Schüler und Lehrer gerne in die Schule.

3. Woran krankt unser Schulsystem?

Antwort: Die Wahrheit ist, dass Österreichs Schulsystem von den Leistungen der Vergangenheit zehrt, insbesondere dem dualen Ausbildungssystem und dem allgemein hohen Bildungs- und Wohlstandsniveau. Das deutliche bessere Abschneiden der AHS in Vergleichsstudien mit den HS oder NMS hat wenig mit einer besseren Pädagogik sondern vielmehr mit der Tatsache zu tun, dass man oft nur Kinder mit Einsern und Zweiter in die AHS lässt und das kognitive Ausgangsniveau daher deutlich höher ist. Alle Indikatoren zeigen in den letzten 15 Jahren nach unten, mit Ausnahme der Kosten. Einige Fakten über das mittlerweile drittteuerste Schulsystem der Welt:

  • Generation No Future: Nur fünf Prozent der Schüler aus Migrantenfamilien oder aus bildungsfernen Schichten schaffen es trotz der schlechten Voraussetzungen, gute Leistungen in der Schule zu erbringen.
  • Land der Nachhilfelehrer: Mehr als drei Viertel der Eltern werden nach Dienstschluss zum unfreiwilligen Nachhilfelehrer ihrer Kinder. Sie leisten laut einer AK-Studie gratis die Arbeit von 47.000 Vollzeitbeschäftigten. In der AHS Oberstufe geben Eltern 865 Euro jährlich pro Kind für Nachhilfe aus.
  • Die Kluft zwischen den guten und den schlechten Schulen ist in Österreich riesig: So beträgt der Unterschied zwischen zwei Schülern, die in einer Schule in günstigem oder ungünstigem Umfeld unterrichtet werden, über hundert PISA-Punkte. Das entspricht der Lernleistung von zweieinhalb Schuljahren! Damit zeigt sich umso mehr die Notwendigkeit, unsere Schulen mit Bildungsstandards vergleichbar zu machen, um an den schlechtesten Schulen auch entsprechende Konsequenzen ziehen zu können.

Wider besserem Wissen versucht die Politik in Österreich den Absturz unseres Bildungssystems schönzureden. Die Sozial- und Gesundheitskosten werden explodieren, weil man jeden fünften jungen Menschen in neun Jahren im Schulsystem völlig vernachlässigt, um ihn danach 60 Jahre erhalten zu müssen. Das ist ziemlich dumm. 

1 Kommentar

  1. Christine

    4. Juni 2014, 16:32

    Lieber Herr Salcher,

    Sie haben sehr gute Gedanken zum Schulsystem – und gleichzeitig frage ich mich immer wieder, warum Sie zum Beispiel nie die Waldorfschulen (die Öffentlichkeitsrecht haben) oder Montessorischulen oder andere Privaten Schulen in Freier Trägerschaft erwähnen (außer natürlich die VI-School usw. – die vom Staat sehr, sehr stark unterstützt werden – die VI-School bekommt vom Staat mehr an Unterstützung als Schulen in Freier Trägerschaft zusammen vom Staat bekommen).
    Sie schreiben nie über dieses unfaire Schulsystem – obwohl diese Schulen autonome Schulen sind und auch ERFOLGREICH andere Wege gehen (also nicht nur Ihre Sir Karl Popper Schule und diverse andere „hochrangige“ Privatschulen).

    Frau Heinisch-Hosek hat in der letzten Parlamentssitzung zur Bildung gemeint, dass es klare Richtlinien für die Schulen in Freier Trägerschaft gäbe – und diese werden eingehalten – und darum gibt es keine Ungerechtigkeit gegenüber den den Konfessionellen Privatschulen (die die Lehrergehälter bezahlt bekommen).

    Werden die Lehrergehälter an Ihrer Schule vom Staat bezahlt – oder müssen da auch die Eltern für die Lehrergehälter und die Gebäudeerhaltung usw. aufkommen?

    Mir fehlt Ihr Eintreten für andere autonome Schulen!

    Liebe Grüße
    Christine

Comments are closed.