Bildungsreform jetzt, schnell und einfach

6. Oktober 2013

„Ist das gut für die Schüler?“ ist die Zauberformel, die die richtige Richtung aufzeigt. Die Schule der Zukunft folgt dieser Frage. Warum schreiben wir nicht in unsere Verfassung den Satz: Jedes Kind hat ein Recht darauf, dass seine Talente maximal gefördert werden. 

Fast alle Streitfragen der Parteien ließen sich leicht auflösen, wenn sich diese zuvor darauf einigen würden dieses Prinzip in die Verfassung zu schreiben. Drei Beispiele:

  • Ist es gut für Schüler, wenn ihnen auch am Nachmittag qualifizierte Lehrer an ihrer Schule zur Verfügung stehen, die mit ihnen lernen? Ja oder nein?
  • Ist es gut für Schüler, wenn sie täglich mit sechs bis sieben 50-Minuten-Einheiten  mit völlig unzusammenhängendem Stoff vollgestopft werden? Ja oder nein?
  • Ist es gut für Schüler, wenn sich ihre Lehrer, so wie Ärzte, regelmäßig fortbilden müssen um pädagogisch immer am neuesten Stand zu sein?

Vier Leitlinien für eine wirksame Bildungsreform, die Österreichs Schulen an die Spitze bringen – in den Leistungen ihrer Schüler und nicht in den Kosten:

1. Nationaler Grundkonsens: Alle 183 neugewählten Abgeordneten stimmen namentlich über eine von Experten ausgearbeitete Grundsatzreform unseres Bildungssystems ab, die sich ausschließlich an den Lebenschancen der Schüler und der Zukunftsfähigkeit unseres Landes orientiert.

2. Wissenschaftliche Fakten statt Standespolitik

Die große Metastudie von John Hattie dokumentiert einmal mehr, worauf wir uns konzentrieren sollten: Lehrerauswahl, Lehrerfortbildung, Unterrichtsqualität durch Feedback an die Lehrer und den Aufbau einer wertschätzenden Klimas zwischen Lehrern, Schüler und Eltern.

3. Lehrer wie Ärzte ausbilden statt wie Fließbandarbeiter behandeln

Neue Lehrer sollten hohe Anfangsgehälter und Aufstiegschancen erhalten, ihre gesamte Arbeitszeit an einem modernen Arbeitsplatz an der Schule leisten und regelmäßiges Feedback von ihrem Direktor bekommen.

4. Schulautonomie statt zentraler Lehrpläne

Für den Streit zwischen dem Bund und den Ländern um die Macht im Schulsystem gibt es eine Lösung: Geben wir den Schulen die volle pädagogische Autonomie und den Direktoren die Macht ihre Lehrer auszuwählen und auch zu kündigen. Die Leistung der Direktoren wird mit transparenten Bildungsstandards gemessen, die auch die Erreichung der Mindestziele der Schüler sicherstellen.

Die Zeiteinteilung zwischen klassischem Unterricht, Projektunterricht, Reisen und Exkursionen, selbstbestimmtem Lernen und Erholungszeiten wird vom Lehrerteam in Absprache mit dem Direktor autonom festgelegt. Das bedeutet den Abschied vom Gedanken, dass die Leistung eines Lehrers an der Anzahl der gehaltenen Stunden gemessen wird. Wir brauchen nicht mehr Unterricht, sondern besseres Lernen. Schüler lernen am besten von Lehrern, die sie mögen und von denen sie inspiriert werden. Schüler freuen sich nicht auf Gegenstände, sondern auf Menschen, die für sie Vorbilder sind. Lernen braucht Gemeinschaft. Lehrer erbringen die besten Leistungen in Teams. So einfach wäre das.